Wenn Sketchnotes durch Zufall Dein Leben völlig auf den Kopf stellen

Ein Gastbeitrag von Maria Steinberg (https://du-bist-grossartig.de)

Wir schreiben das Jahr 2019. Vor kurzem habe ich entdeckt, dass mir über 1.500 Leser auf Facebook folgen, weil ich dort Texte über Bücher veröffentliche, die ich gelesen habe. Die Sache ist nur die, ich bin kein Facebook-Fan.

Komme was wolle, jetzt gibt es keine Ausrede mehr, es ist an der Zeit, für meinen eigenen Blog. Jetzt ist es endgültig egal, dass ich

  • nicht weiß, wie man Webseiten baut,
  • keine Ahnung habe, wo ich Bilder für den Blog herbekommen soll,
  • für den Blog ein Unternehmen gründen muss.

Ich muss jetzt einfach in Gang kommen.

Um den Mut nicht zu verlieren, mache ich einen Working Out Loud Circle mit, an dessen Ende ich das Ziel habe, anderen Menschen zu zeigen, wie sie regelmäßig Blogbeiträge schreibt können. Um dieses Meetup zu halten, musste ich in den 12 Wochen meines Circles ein Blogger mit einem eigenen Blog werden.

Ein Schritt ins Ungewisse

Einige Wochen später stand ich dann in meinem eigenen ersten Meetup auf dem Tempelhofer Feld. Außer meiner Familie hatten alle Teilnehmer in letzter Minute abgesagt. Also hielt ich mein Meetup vor meiner Familie, obwohl niemand von Ihnen Interesse hatte, einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben.

Doch wie heißt es so schön, wenn sich eine Tür schließt, geht ein Fenster auf. Ja, mein Meetup hatte 0 Teilnehmer aus der geplanten Zielgruppe erreicht, doch am Ende stand ich dennoch nicht mit leeren Händen da. Ich hatte mir ein Herz gefasst und meinen eigenen Blog gestartet und dabei endlich die Frage beantwortet, wo ich Bilder für meinen Blog herbekomme. Dass meine Antwort auf diese Frage mein Leben völlig auf den Kopf stellen würde, ahnte ich damals noch nicht.

Bilder für den eigenen Blog

Da mein Vater Fotograf war, wusste ich, dass ich nicht einfach irgendwelche Bilder für meinen Blog nehmen konnte, die mir gefielen. Da gab es komplizierte Rechte wie Lizenzen und Co. zu berücksichtigen. Die Sache war nur die: Ich hatte so wenig Lust, mich mit der Frage auseinanderzusetzen welche Rechte an welchen Bildern hängen.

Also suchte ich nach einer Bild-Lösung, für die ich diese Frage nicht beantworten musste. Die einzige Lösung, die mir einfiel, war: Du musst selbst zeichnen. Hand aufs Herz: Meine ersten Bilder waren furchtbar. Doch das Gute daran war: Schlimmer konnten meine Bilder nicht werden.

Im Rahmen meines Working Out Loud Circles lernte ich den wunderbaren Stefan kennen. Stefan zeigte mir die Welt der Sketchnotes. Dank ihm lernte ich, dass ein Schatten aus einem einfachen Bild etwas Besonderes machen kann, und so begann ich mit dem Sketchnoten.

Ich erinnere mich noch gut an das Gespräch mit Stefan. Wir trafen uns damals bei Dussmann, einem großen Buchhändler auf der Friedrichstrasse in Berlin. Als ich Stefan beim Sketchen zuschaute, dachte ich: Wow,

  • so gut wie Stefan werde ich nie Sketchnoten können,
  • es gibt Menschen, die vom Sketchnoten leben können,
  • stell Dir vor, Du könntest Workshops geben und anderen zeigen, wie man Sketchnotes
    erstellt.

In diesem Moment fasste ich den Entschluss, gut im Sketchnoten zu werden und viel zu üben. Also kümmerte ich mich weiter um meinen Blog, indem ich Blogbeiträge schrieb und passende Sketchnotes für die Blogbeiträge fertigte.

Im August 2019 passierte etwas Wunderbares: Ich erhielt meine erste „Fanpost“ von Johanna. Johanna war selbst Sketchnoter und hatte mir eine selbst gesteckte Postkarte geschickt, auf der ich und meinen Blog darstellt waren. Ich heulte vor Glück und bedanke mich überschwänglich bei Johanna. Mit dieser Karte festigte sie mein Vorhaben, meinen Blog und meine Sketchnotefähigkeiten weiter voranzutreiben.

Zeichnung von Maria Steinberg

Hast Du Lust einen lernOS Circle mit uns zu machen?

Doch die Sache am Alleine-Sketchnoten war die: Ich kam schnell in eine Sackgasse, und meine Fähigkeiten entwickelten sich nur noch langsam und zäh, und es gab viele Fragen, auf die ich keine guten Antworten fand:

  • Wie mache ich ein stimmiges Layout?
  • Wie kombiniere ich Farben so miteinander, dass es nicht wie ein Unfall aussieht?
  • Wie schaffe ich es schneller zu werden?
  • Usw.

Auch an dieser Stelle kam mir wieder einmal Väterchen Zufall zu Hilfe. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wer von Beiden. Johanna oder der kleine Wahnsinn kamen auf mich zu und fragten mich, ob ich nicht Lust hätte, an einem Sketchnote lernOS Circle teilzunehmen.

Da ich mit Working Out Loud und den dort gemachten Circle bereits gute Erfahrungen gemacht hatte, sagte ich ja. Kurze Zeit später wurde unser Circle, der aus Iris, Johanna, Svenja, dem kleinen Wahnsinn und mir bestand, in die #SundaySketchGirls umbenannt. Der Name entstand, weil wir uns in den folgenden 12 Wochen jeden Sonntag via Skype trafen und uns die Ergebnisse unserer Hausaufgaben aus dem LernOS Leitfaden präsentierten. Damals ahnte ich nicht, wieviel ich in 12 Wochen über das Thema Sketchnotes lernen würde.

Die anderen Girls sind so krass

Meine Lernkurve in diesem Circle war so steil, weil die anderen 3 Girls viel besser im Sketchnoten waren als ich:

  • Iris konnte Farben viel besser kombinieren als ich.
  • Johanna hatte einfach geniale Ideen für Motive.
  • Svenja war die Göttin der Handschriften, die mit der Kombination unterschiedlicher Typographien unglaubliche Texte zauberte. 
  • Und beim kleinen Wahnsinn saß jeder Strich.

In den ersten Wochen dachte ich: „Wow, Du wirst niemals in der Lage sein, so zu Sketchnoten wie die Mädels.“ Doch mit jeder Woche, die ins Land ging, wurde mir klarer, dass jeder von uns seinen eigenen Stil hatte, und das war genau das Großartige an diesem Circle. Ich lernte, dass ich nicht perfekt, sondern schnell und einfach Sketchnoten können wollte. Meine Sketchnotes durften nicht lange dauern, da das Schreiben meiner Blog-Beiträge bereits genug Zeit in Anspruch nahm. Nicht mehr perfekt Sketchnoten zu wollen, nahm mir eine gigantische Last von den Schultern.

Kannst Du eine Sketchnote von meiner Veranstaltung erstellen?

Als wäre dies nicht schon großartig genug, tat LernOS noch mehr, als mir nur zu zeigen, wie ich meine Fähigkeiten im Sketchnoten verbessern konnte. Eine Hausaufgabe des Leitfadens war eine Veranstaltung zu Sketchnoten. Ich hatte versucht, Videos zu sketchnoten, doch ich schaffte es einfach nicht, der Pause-Taste zu Wiederstehen, um wirklich alles mit zu sketchen was mir wichtig erschien.

Zum Glück hatte ich mich als Unternehmerin selbstständig gemacht und war damit auf die Adressenliste der IHK gelangt, die mir eine Einladung geschickt hatte. Für mich war das eine großartige Gelegenheit, um meine Hausaufgaben zu erledigen. Was ich nicht ahnte war, dass ich an diesem Abend auch meinen ersten Auftrag generieren würde.

Während ich die Sketchnotes von der Veranstaltung erstellte, schaute mir eine Dame die ganze Zeit über die Schulter. Ich konnte das gut nachvollziehen, denn auch ich liebe es, anderen Menschen beim Zeichnen zuzuschauen. Das ist für mich ähnlich schön, wie den Flammen in einem Lagerfeuer beim Tanzen zuzuschauen. Im Verlauf der Veranstaltung kamen wir ins Gespräch und plötzlich fragte sie mich: „Könntest du das auch für eine Veranstaltung von mir machen? Ich bezahle dafür.“ Ich traute meinen Ohren nicht. Ich war doch noch am Lernen. War es dafür nicht viel zu früh. Zum Glück ließ die Dame meine Zweifel nicht gelten, und ich versprach ihr (mehr zu meiner als zu ihrer Beruhigung), dass ich in den 3 Monaten bis zu Ihrer Veranstaltung viel besser sein würde.

Sketchnote von Maria Steinberg

Ich bin Sketchnoter

In diesem Moment fiel bei mir der Groschen. Endlich verstand ich, dass ich nicht daran arbeiten musste, ein Sketchnoter zu werden, sondern dass ich in dem Moment zum Sketchnoter wurde, als ich mit Stefan bei Dussmann saß. Also begann ich zu überlegten, was ich noch alles tun könnte außer Veranstaltungen zu Sketchnoten. Alles, was mir in diesem Moment fehlte, war ein weiterer Zufall der nur noch kurzen Zeit auf sich warten ließ und in Form von Barcamps daherkam.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich zu dieser Zeit in meinem Leben zu allem ja sagte? Ich hatte im August 2019 meinen Job gekündigt und war auf der Suche nach Inspirationen für meine Zukunft. Als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, an einem Barcamp teilzunehmen, sagte ich daher ja. Als dann die Frage kam ob ich auch Lust hätte, eine Session zu geben, sagte ich auch ja.

Also gab ich eine Session zum Thema Sketchnote, um herauszufinden, ob diese Session mir und den Teilnehmern Spaß machen würde. Wenigen Minuten nach dem Beginn der Session rutschte mir das Herz in die Hose. Meine Teilnehmer waren allesamt nach wenigen Minuten schon viel besser im Sketchnoten als ich, obwohl einige zum ersten Mal sketchten. Also machte ich das Beste daraus und beschloss, während meiner Session von meinen Teilnehmern zu lernen. Nach der Veranstaltung dachte ich: „Gut, das hat Spaß gemacht, und ich habe eine Menge gelernt. Aber das war es fürs Erste, das war meine erste und meine letzte Veranstaltung. Ich muss erst dafür sorgen, dass ich besser werde.“ Zu meiner großen Überraschung sahen viele Teilnehmer die Veranstaltung deutlich positiver als ich.

Ist simples Sketchnoten in einer Farbe eine Stärke?

Doch wie konnte das sein? Wie konnte ich so unzufrieden mit der Veranstaltung sein und meine Teilnehmer so zufrieden? War der Veranstalter nur nett und hatte mir das einzig positive Feedback zu der Veranstaltung gegeben? War es möglich, dass die Besucher der Veranstaltung die Session wirklich gut fanden?

Damals fand ich keine Antwort auf diese Fragen. Doch inzwischen weiß ich, dass meine vermeintliche Schwäche im Sketchnoten meine absolute Stärke in dem Sketchnote-Workshop war. Die Tatsache, dass ich

  • nicht auf jede Linie achtete,
  • schnell mal etwas hin sketchte,
  • Dinge sehr simpel und einfach machte,
  • Schatten für mich das höchste der Gefühle waren und
  • noch nicht in der Lage war, Farben voll miteinander zu kombinieren,

sorgte dafür, dass die Teilnehmer in meinen Workshops bereits nach wenigen Minuten feststellten, dass sie im Vergleich zu mir richtig was auf dem Kasten hatten und dass es ganz einfach war, einen „professionellen“ Sketchnoter zu übertreffen. Das sie schneller und besser im Sketchnoten waren als ich gab den meisten einen unglaublichen Motivationsschub.

Eine Sketchnote funktioniert auch mit einer Farbe – von Maria Steinberg

Weiterlernen nach LernOS

Nach 12 Wochen waren die LernOS-Sessions mit meinen Sunday Sketchnote Girls vorbei. Da ich gesehen hatte, was regelmäßiges Training ausmacht, beschloss ich, jedes Wochenende 2 Zitate zu sketchnoten und diese auf Twitter und Co zu posten. Für mich waren die Zitate reines Training, denn damals träumte ich noch immer davon, irgendwann Graphic Recorder zu werden. Wieder einmal kam es anders als gedacht.

Das wäre eine großartige Postkarte für meine Kunden

Inzwischen sketchnote ich seit mehr als einem Jahr Zitate, und es fällt mir viel leichter als am Anfang. Was eigentlich als Übung gedacht war, wurde durch einen weiteren Zufall Ende 2020 zum Teil meines Sketchnote-Angebotes.

Ende 2020 kam jemand auf mich zu und fragte, ob er meine Zitate auch als Postkarte für seine Kunden nutzen könnte. Ich antwortete, dass ich die Idee klasse fände, aber keine Ahnung hätte, wie das gehen sollte. Zum Glück hatte derjenige einen Grafiker, der das Problem lösen konnte, und wir starteten einen Testballon auf seine Kosten. Es war eine Win-Win-Situation. Mir fehlten das Wissen und das Geld für den Druck, ihm das Motiv. Am Ende hatten wir beide Postkarten, die wir ziemlich klasse fanden. Ich hatte zwar noch keine Ahnung, was ich mit den Karten anstellen würde. Doch ich war mir sicher, dass sich eine Idee finden würde.

Eines Tages fiel mein Blick auf die Postkarte von Johanna, die gerahmt in meinem Büro steht und mir kam eine Idee. Ich hatte so viele Menschen, bei denen ich mich bedanken wollte, und vielleicht würden sie sich über die Postkarten so sehr freuen, wie ich mich über die von Johanna. Als setzte ich mich hin und schrieb – wenn ich mal Zeit hatte – Dankesbriefe. Diesen legte ich so viele Postkarten bei, wie das Porto des Versenders zuließ. Meine Rechnung ging auf. Die meisten freuten sich sehr über die kleine Aufmerksamkeit und das Schöne war, dass sie den Brief als Anlass nahmen, sich mal wieder zu melden.

Mehr als nur eine Postkarte – von Maria Steinberg

Risiken und Nebenwirkungen vom Danke sagen

Eines schönen Tages klingelte mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung freute sich jemand sehr über meinen Brief und die Postkarten. Und dann kam die Frage: Ich habe da so ein Zitat, dass hätte ich gern als Sketch-Postkarte für mein neues Projekt.

Fazit

2018 wusste ich nicht, was eine Sketchnote ist. Heute kann ich mir ein Leben ohne
Sketchnotes nicht mehr vorstellen, und ich bin gespannt, was in den kommenden Jahren noch alles passieren wird. Sketchnotes haben mein Leben verändert und die Entscheidung, den lernOS Circle zu machen, gehört im Nachhinein betrachtet zu den besten Entscheidungen meines Lebens.

Die Bildwelt von Maria Steinberg – weitere Zeichnungen findet ihr unter du-bist-großartig.de

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Melde dich gerne bei uns via hallo@lernos-sketchnoting.net.

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